Therpaeutisches Reiten2 Das Therapeutische Reiten ist mittlerweile fest im Konzept der psychosomatischen Fachklinik enthalten. Es findet Anwendungen bei Patienten mit:

  • Angststörungen
  • Essstörungen
  • Störungen des Selbstwertgefühls
  • Psycho-vegetativen Erschöpfungszuständen

Ohne auf die psychosomatischen Erkrankungen und Störungsbilder im einzelnen einzugehen, möchte ich in Bezug auf die Wirkmechanismen des Therapeutischen Reitens drei Aspekt hervorheben:

  1.  Angstreduktion
  2. Stärkung des Selbstbewusstseins
  3. Therapeutisches Reiten bei psycho- vegetativen Erschöpfungszuständen
  1. Angstreduktion

Therpaeutisches Reiten1Das Therapeutische Reiten ist geeignet, eine Vielzahl von Ängsten zu mindern. Dabei agiert die Reittherapeutin als „Mittlerin“ insofern, dass sie dem Patienten einen weitestgehend gefahrlosen Umgang mit einem sehr großen und beeindruckendem Tier ermöglicht und die Chance eröffnet, Ängste in einer praktischen Situation zu überwinden.

So kann zum Beispiel der Angst, „abgelehnt zu werden“, erfolgreich begegnet werden. Patienten mit Essstörungen berichten bspw. oft von großen Schwierigkeiten, sich selbst anzunehmen und der Angst von anderen nicht akzeptiert zu werden. Ein erster Schritt kann getan werden, wenn sie Kontakt zu einem Lebewesen haben, dass sich neutral (artspezifisch) verhält, keine Vorurteile kennt, keine Bewertung vornimmt und keine Berechnung anstellt.

„Angst vor Kontrollverlust“ kann gemindert werden, wenn der Patient z. B. an der Longe die Kontrolle an Pferd und Therapeut/in abgibt und die praktische Erfahrung macht, dass ihm nichts Unangenehmes oder Gefährliches widerfährt.

„Angst vor Bewegung und Geschwindigkeit“ wird nach behutsamer Eingewöhnung zumeist von allen Patienten überwunden und beides wird in den schnelleren Gangarten später als lustvoll empfunden.

Gerade bei Frauen, die sich in familiären Konflikten als Garanten von Stabilität und Harmonie empfinden, ist die Angst sich zu behaupten und zu dominieren sehr verbreitet. Der Umgang mit dem Pferd macht auf eine sehr eindrucksvolle Weise deutlich, dass es notwendig und vor allem möglich ist, sich durchzusetzen. Das Pferd gehorcht bei entschlossenem Auftreten. Bei ängstlichem, zögerlichen Verhalten des Menschen ist es irritiert und wird selbst die Führung übernehmen. Die Vorstellung: „Wenn ich mich zurücknehme, wird schon alles gut gehen“ wird praktisch widerlegt. Das gilt auch im zwischenmenschlichen Bereich.

Ebenfalls erfolgreich begegnet werden kann der „Angst vor neuen Situationen und fremder Umgebung“. Der Reitstall ist für die meisten Patienten ein sehr fremde, reizintensive (Gerüche, Bewegung, Tiere etc.) aber trotzdem attraktive Umgebung, die Anreiz bietet sich auf etwas Neues einzulassen. Der überschaubare Stallbereich lässt den Patienten genügend Raum, Nähe und Distanz selbst zu bestimmen.

 

  1. Stärkung des Selbstbewusstseins

Therpaeutisches Reiten3Das Therapeutische Setting (sichere Rahmenbedingungen, qualifizierte Therapeutinnen, speziell ausgebildete Pferde) ermöglicht es auch dem sehr unerfahrenen Patienten ein sehr großes, kraftstrotzendes Tier zu dominieren. Es verschafft dem reiter ein Gefühl von Macht und Überlegenheit. Die über die Haut und Körperkontakt überaus intensive Erfahrung von Dominanz, der rhythmische Bewegungsdialog mit dem Pferd stärken unmittelbar Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl des Patienten.

Hierbei speilt auch die Bedeutung des Pferdes für den therapeutischen Prozess eine Rolle. Das Pferd hat seit Jahrhunderten in beinahe allen Kulturkreisen eine besondere Bedeutung. wie kein anderes Tier gilt es als Verkörperung von Kraft, Schönheit, Freiheit, Potenz, Aggression und Treue. Teilaspekte dieser Mythen finden sich auch in den Phantasien der modernen Menschen und machen auch heute noch die Attraktivität des Pferdes aus.

 

  1. Therapeutisches reiten bei psycho- vegetativen Erschöpfungszuständen

Therpaeutisches Reiten4Bei vielen in beruflichen und familiären Alltag fest eingebundenen Patienten geht die allgemein als psycho-vegetative Erschöpfung bezeichnete Überlastungsreaktion mit massiven Muskelverspannungen im Rücken / Schulter / Nackenbereich einher. Das Therapeutische Reiten wird hier in einem genuin psychosomatischen Ansatz wirksam. Es entlastet die Psyche, mindert Ängste , stärkt das Selbstvertrauen und wirkt zugleich im somatischen Bereich, indem es für eine äußerst effektive Lockerung und Gymnastisierung der Muskulatur sorgt. Dies geschieht vor allem dadurch, dass der dreidimensional Schwingungsrhythmus des Pferderückensauf den Menschen im Reitsitz übertragen wird und das dieser Rhythmus dem Bewegungsmuster des menschlichen Ganges eng verwandt ist.

Erreicht werden kann:

  • Lockerung und Kräftigung der gesamten Muskulatur
  • Verbesserung von Gleichgewicht und Symmetrie der Bewegungen
  • Senkung des Muskeltonus
  • Verbesserung der Tiefensensibilität
  • Schulung von Rhythmusfähigkeit, Koordination und Ausdauer
  • Verbesserung der Durchblutung und der Kreislauftätigkeit
  • Verbesserung der Atmung
  • Gewichtsreduzierung